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„Schwarze Juden, Weiße Juden?“

„Schwarze Juden, Weiße Juden?“

Bericht von Gottfried Kinsky-Weinfurter 

Genial kuratierte Ausstellungen erweitern den Blick auf die Realität, ergänzen Sichtweisen und demontieren Klischees. 

Die Ausstellung „Schwarze Juden, Weiße Juden?“ im Jüdischen Museum Wien präsentiert eindrucksvoll das breite Spektrum dieser Thematik: Jüdische Identität im Spannungsfeld zwischen Antisemitismus, Rassismus und Eigendefinition, ausgehend von der heute in den wissenschaftlichen Diskursen vertretenen Position, wonach Hautfarbe weniger eine biologische Kategorie darstellt, sondern vielmehr ein soziales Konstrukt.

Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Wien 
(Dorotheergasse 11, 1010 Wien). 
Bericht von Gottfried Kinsky-Weinfurter

Im 19. Jahrhundert war man von einer solchen Sicht noch weit entfernt, als Typologien entwickelt wurden, in denen die Anthropologen von Hautfarbe, Schädelform, Gesicht und Augenabstand auf den Charakter des Menschen zu schließen versuchten. Diese gänzlich unwissenschaftlichen Befunde der Ethnologen, die tief im kolonialistischen eurozentrischen Denken wurzelten, bildeten später die Grundlage für die Rassentheorie der Nazis und den Holocaust.

Das Thema „Rasse“ beziehungsweise „Race“ ist bis heute ein Diskursthema geblieben. 

Die Ausstellung zeigt einen Schnappschuss aus dem Jahr  2017 von Chris Buck (*1964) mit dem Titel „Let`s talk about Race“, das die stereotypen Vorstellungen von People of Colour mit Blick auf eine alltägliche Szene – ein Mädchen betrachtet farbige Puppen in Regalen – unaufgeregt und ohne erhobenen Zeigefinger in Frage stellt.

Gut gelungen ist dem Jüdischen Museum auch die Gegenüberstellung aus alten Rassismen - oft maltechnisch verführerisch erotisch in Szene gebracht, wie im Gemälde von Nicaise de Keyser (1823-1887) - mit aktuellen kritischen und ironischen Positionen, wie bei Jason Bard Yarmosky (*1987), der provokant einen Farbigen im Superman-Kostüm portraitiert.
 

Die Musik darf natürlich nicht fehlen in dieser ­Ausstellung. Klassiker ist die Jazzoper „Jonny spielt auf“ des jüdischen Komponisten Ernst Krenek aus der Zwischenkriegszeit. Dass auch Louis Armstrong, genialer Jazztrompeter, Entertainer und Sänger ein starkes Verhältnis zum Judentum hatte, beweist ein Backstage-Foto auf dem Armstrong mit nacktem Oberkörper und einer Halskette mit Judenstern zu sehen ist.

Darüber hinaus liefert die Ausstellung noch zahlreiche Anknüpfungspunkte für Diskussionen, die viel neuen Raum aufspannen für kritisches Denken über das Thema Hautfarbe.   ■

Die Ausstellung läuft bis 26.04.2026.

Die Kuratoren der Ausstellung: Tom Juncker, Daniela Pscheiden, Hannes Sulzenbacher, Vanessa Spanbauer