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„Ich genieße das Weichsein“

Etchika Pollex im Interview mit Karla Mahler, 11. November 2025
 „Ich genieße das Weichsein“

Etchika Pollex im Interview mit Karla Mahler, 11. November 2025


Danke Etchika für das Gespräch! Natürlich habe ich viel über dich gehört und gelesen. Tanne Brodel hat ja 2023 eine Doku über dich gedreht, die heißt „die unsichtbare Frau“ und deine Autobiographie „Etchi“ ist dieses Jahr herausgekommen. Bekannt geworden bist du unter anderem durch das Promoten von Boxern. Wie würdest du deine Geschichte jemandem erzählen, der dich noch nicht kennt? 

Ich sag mal so, ich bin durch und durch 'ne Frau, aber im Äußeren habe ich einen Männerkörper bekommen. Dieses Gefäß habe ich im Verlauf der Jahre feminisiert. 

Mir ist es wichtig, dass ich als Frau wahrgenommen werde. Ich bin keine biologische Frau, ich bin aber auch kein Mann. Ich bin Etchi, eine Transgenderfrau. 

Ich würde niemals behaupten, eine biologische Frau zu sein, dazu fehlt mir die Gebärmutter, obwohl ich gerne Kinder bekommen hätte. Ich habe das Gefühl, ich müsste einen Reißverschluss haben und wenn ich den aufmache, dann sieht man Etchi wirklich. Aber sie ist von dieser Hülle umgeben, die nicht wirklich dazu passt. Das hat viel Schmerzen bereitet und viel Kraft gekostet. 

Einmal bin ich beim Counter am Flughafen gestanden und hab gesagt, dass ich meinen Flug umbuchen will. Die Frau am Schalter hat dann zu ihrem Kollegen gesagt: „Kannst du nachgucken, ob vielleicht auch Essen für ihn drin ist? Es muss sein Gepäck auch noch in die neue Maschine.“ 

Das tut schrecklich weh. Es gibt dann verschiedene Möglichkeiten zu reagieren: Ich hätte ihr eine klatschen können, aber ich hab nach ihren Händen gegriffen, sie gehalten und zu ihr gesagt: „Das, was du gerade mit mir gemacht hast, tat unendlich weh. Es hat so viel Kraft gekostet, heute das zu sein, was ich bin. Und du machst es einfach zunichte, indem du mich wie einen Clown behandelst, der sich verkleidet hat.“  Die Frau war völlig erschrocken und  hat gemerkt, dass sie was falsch gemacht hat. Das passiert mir öfter, also in der Woche einmal bestimmt. 

Heute bin ich mit Katja befreundet. ich hab sie zu meiner Botschafterin gemacht und hab ihr gesagt: “Katja, erzähl deiner Familie und deinen Freunden unsere Geschichte.“ Dann hatte ich 'n Interview im ZDF bei „Volle Kanne“ und mir fiel diese Geschichte ein. Katja hat sie gesehen, rief mich danach an und war so stolz, dass ich unsere Geschichte erzählt hab. Omnia vincit amor. Die Liebe bezwingt alles. Und ich versuche immer wieder - auch wenn es mir manchmal schwerfällt - der Liebe das Wort zu geben.


In deinem Film hast du über deine Reise nach Thailand und die geschlechtsangleichenden Operationen dort erzählt. Du hast gesagt, dass Olaf verschwunden und Etchika nach der Transformation nach Hause gekommen ist. Wie bist du zu dem Namen Etchika gekommen? 
Das ist eine schöne Geschichte. 
An dem Tag als ich bei einer Freundin zu Besuch war, hatte die eine Inneneinrichterin bei sich, die hieß Etchika. Sie kam rein, trug einen großen Hut und weiße Handschuhe.  Meine Freundin hatte ein blaues Regal, Etchika ging durch den Raum und ist bei diesem  Regal regelrecht erschrocken. Sie war so kapriziös, aber irgendwie auch toll. Mit diesem Vornamen kannst du auch Müller heißen, der Name adelt einfach den Nachnamen. Dann kam ich in den Raum und habe gesagt: „Den Namen nehme ich mir.“

Magst du etwas über die Reise nach Thailand und das danach wieder Ankommen erzählen?
Zu dieser Zeit war ich ja schon beim Boxen. Mit  Jörg Lubrich, dem Chefredakteur von der Bild Sport, hatte ich einen guten Draht. Ich sagte zu Jörg: „Ich erzähle dir, wann ich ankomme.“, weil mich immer alle belagert haben mit: „Ja, wann kommt sie denn, wann kommt sie zurück?“ Ich sagte zu ihm: „Ich erzähl es dir.“, aber ich wusste, dass das die Runde macht. Ich bin extra First Class geflogen, weil ich schlafen und brilliant aussehen wollte, was mir auch gelungen ist. Ja, Dann kam ich an und plötzlich war Licht überall um mich herum und ich war wirklich schrecklich aufgeregt gewesen. Einerseits war es für mich schön anzukommen, ich war auch zufrieden, wie ich aussah. Trotzdem hatte ich wahnsinnig viel Angst gehabt. Ich weiß noch, dass ich hier zu Hause war und mir was vom Supermarkt holen wollte. Bis ich mich umgezogen gehabt habe, hat der Laden fast zu gehabt. Ich hatte keine wirkliche Vorstellung von dem, was ich gerne anziehe und musste erst einen Stil finden. 

Heute bin ich eine Diva und genieße das auch. Ich hab manchmal ein bisschen ein divahaftes Verhalten. Was ganz wichtig ist: Ich weiß, wer ich bin. Ich kenne meine Lebensleistung und ich kann nur jedem Menschen raten, die eigene Lebensleistung in irgendeiner Art mal wahrzunehmen. Nehmen wir eine Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Die hat drei Kinder auf die Welt gebracht, das ist schon mal eine Leistung. Und dann formt sie die noch irgendwo und macht den Haushalt und was weiß ich noch alles. Solche Frauen bewundere ich. 

Ich halte immer wieder Vorträge und Seminare und dann sitzen da Leute, die wollen unbedingt zu meinem Selbstbewusstsein was wissen. Ich hab da einen Trick, weil ich ja auch nervös bin. Ich geh einfach ins Publikum und verteile Dickmanns. Die  Leute gucken mich dann ganz interessiert an und wundern sich. Aber was passiert dann? Sie fangen alle an zu lachen. Am Ende geht es immer darum: „Was heißt das, Mensch zu sein?“  Dann sitzen die Leute da und hören sich meinen Vortrag an und machen sich Notizen. Am Ende sage ich ihnen dann immer: 

„Gut aufpassen, jetzt kommt der allerwichtigste Teil, die Quintessenz vom Vortrag: Vergessen sie alles.“ Ich erkläre ihnen dann, dass das Unterbewusste genau das aufnimmt und abruft, was man braucht, man braucht nichts zu notieren. Wer also schlau werden will, muss mit schlauen Leuten zusammen sein. 

Im Kern verstehen sie es dann und dann lachen die meisten. Als Menschenfreundin macht es mir großen Spaß mit Menschen zu arbeiten. 

Durch meine Großmutter hab ich 'ne christliche Erziehung genossen. Gott hat mich mein ganzes Leben lang begleitet, ist immer an meiner Seite gewesen. Ich hab auch immer wieder mit ihm geschimpft – ich nenn ihn Baby. „Ja, Baby, bitte, warum denn schon wieder 'ne Prüfung, ich hab doch genug Prüfungen gehabt?“ Aber die Prüfung war noch wichtig für mein Werden. Ich hab das große Glück gehabt, so viel Schmerz zu erleben, dass ich aus diesem Schmerz lernen konnte. Mit Schmerz umzugehen, das musst du lernen. Und das Leben bietet nicht jedem die Möglichkeit dafür. Ich hab es bekommen, dicke. Dieser Schmerz, den ich manchmal spüre, mag auch hormonell bedingt sein. Wenn ich das Leid sehe, zum Beispiel in Palästina, und mir wirklich Tränen in die Augen kommen. Diese Sensibilität, die ich habe, die genieße ich sehr. Sie ist auch Ausdruck meiner Weiblichkeit. Ich sag mal, ich hab 'n Privileg bekommen, so viele Erfahrungen machen zu dürfen. 

Was glaubst du, würde Leuten helfen, die, sich ihre Lebensleistung bewusst machen wollen? Was würdest du ihnen raten?
Jeder von uns hat mal irgendwas gemacht im Leben, zum Beispiel einer alten Oma über die Straße geholfen. Man muss es nur sehen und anerkennen. Kampfgeist gehört auch dazu. Ich finde immer ich hätte es leicht gehabt, mein Leben nicht anzuerkennen. Aber mein Kampfgeist ist schon sehr ausgeprägt. Mein Leitspruch ist: Aufgeben ist keine Option. 

Ich möchte einfach was erreichen im Leben, ich möchte Frieden. Deswegen bin ich auch in der Friedensbewegung aktiv. Frieden ist für mich was ganz Wichtiges. Die Religion, hinter der ich stehe, ist Liebe. Und ich versuche die zu leben. Ich sage mal so: Der Heiligenschein drückt nicht bei mir. Dieses Yin und Yang ist wichtig im Leben. Ich mache Fehler und ich hab durch sie auch gelernt. Heute mit meinen 70 Jahren bin ich manchmal wie ein kleines Mädchen, weil ich mir dieses Spielerische erhalten habe und die großen Augen, wenn ich mir die Welt angucke. Nicht immer, aber hin und wieder.

Wie hast du den Glow-up nach deiner Rückkehr empfunden?
Also, der Anfang war schwer, unendlich schwer. Ich war unsicher ohne Ende und musste erst lernen alle Blicke - auch Männerblicke - richtig einzuordnen. 

Eine Zeit lang habe ich als Domina für einen Escort gearbeitet, da hatte ich schon Blicke von Männern gesehen, die aber sehr devot waren. Ich habe ja als Escort gearbeitet, um als Frau wahrgenommen zu werden, ohne dass man mich betatschen kann. Da konnte man nur als Domina arbeiten. Ich habe aber auch ein leicht dominantes Wesen. 

Ich weiß was ich will und ich zweifle nicht an meinem Frausein; keine Sekunde, weil ich es wirklich mehr als spüre. Manchmal möchte ich gar nicht darüber reden, dass ich eine Transgenderfrau bin. Mein Frausein hat nichts mit einer Gebärmutter zu tun. In meinem Inneren bin ich eine Frau seit meiner frühesten Kindheit an. Dieses Gefühl hat sich nie verändert. Worüber ich heute noch wütend bin, ist, dass ich nicht wirklich eine geworden bin. Ich frage mich dann, warum ich mich in dieser Twilight-Zone aufhalten muss? 

Am Anfang haben mich meine breiten Schultern gestört, heute nicht mehr. Ich hab immer mehr Selbstbewusstsein. Und durch den Film habe ich gemerkt, wie viele Leute berührt wurden und an mich herangetreten sind, weil ich ihnen mit dem Film geholfen habe. Am Anfang war ich ein bisschen verlegen, aber schlussendlich hat mir das sehr viel Kraft gegeben und ich bin stolz darauf. 

Auch bei meinen sozialen Medien habe ich so viele tolle Fan- Gemeinden. Viele junge Transgender sind zu mir gekommen, aber ich kann nicht alles beantworten, das geht sich alleine nicht aus, da müsste ich ein Business mit drei Sekretärinnen haben.  


Vielleicht kennst du dieses Sprichwort: Die schwersten Prüfungen sind für die Personen, die stark genug sind, sie tragen zu können.“ Es gehört einfach wahnsinnig viel dazu und wie du gesagt hast, viele Leute können nicht verstehen, was da an inneren Kämpfen beteiligt ist und wie viel Mut nötig ist zu sagen: „Jetzt gehe ich raus, jetzt bin ich ich selbst, jetzt mache ich den Schritt.“
 
Gott ist ein wesentlicher Punkt in meinem Leben und ich habe eigentlich nie was von ihm gebraucht. Ich war immer dankbar Gott gegenüber und manchmal auch wütend, dann hab ich gesagt: „Was soll das? Was willst du von mir? Mehr kann ich nicht mehr ertragen, mehr ist nicht möglich gerade.“ Aber ich bin immer wieder gewachsen, das hab ich dann auch gemerkt. Jedes Mal hab ich eine Aufgabe bekommen, die fast nicht zu lösen war, und bin daran gewachsen.

Welche Message würdest du Personen als Motivation geben, die vor der Transition stehen? 
Das ist 'ne schwierige Frage. Ich weiß ja, wie schwierig das für mich war und da konnte mir keiner helfen. Das ist aus mir selber entstanden. Ich hab Olav akzeptiert, aber ich fand ihn nicht schön. Und viele haben gesagt, dass ich gut aussah als Olav. Aber ich fand meinen gesamten Körper nicht schön. Ich habe das auch ganz lange Zeit total abgelehnt, dieses Frau sein, dieses In-Mir-Sein. 

Wie du da hinkommst und Stabilität bekommst...das kommt eigentlich über die Liebe. Liebe zu dir selber und dass du irgendwann sagst: „Ich möchte nicht mehr gequält werden!“ 

Ich habe auch viel gelesen, die alten Philosophen. Wenn ich jemandem was raten kann, dann die Philosophie, sie ist was Wunderschönes. Bei den alten Griechen gab es ja auch die Götter. Einmal hatte Zeus mit Hera, seiner Frau, einen Streit. Und sie stritten darum, wer die schönste Sexualität hat, Männer oder Frauen? Nachdem Zeus und Hera sich uneinig waren, gingen sie zu einem Menschen, Teiresias. Er war zuvor als Strafe dafür, dass er die weibliche von zwei sich paarenden Schlangen erschlagen hat, zu einer Frau verwandelt worden. Hera und Zeus befragten ihn also, weil er beides erlebt hat. Das geht so ein bisschen in den Transgender- Bereich rein und ich hab ja auch beides erlebt. Teiresias hat zu den beiden gesagt: „Frauen haben neun Mal mehr Spaß am Sex als Männer.“ Und ich habe es selbst erlebt. Ich sage mal so, als Mann macht es „blub“. 

Als Frau heute habe ich Orgasmen, boah, da träumt man davon. 

Spannend! Wie haben die Hormone aus deiner Sicht die Wahrnehmung verändert?
Du bekommst eine höhere Sensibilität, die ich auch genieße. Ich genieße mein Weichsein. Durch die Atrophie werden die Muskeln weniger und 'ne schöne Haut bekommst du. Ich lieb die ja und mein Freund sagt immer: “Du hast so eine schöne Babyhaut.“ Das sind so Kleinigkeiten, die ich in vollen Zügen genieße. Wenn du das 60 Jahre lang nicht gelebt hast, dann ist es einfach ein großes Geschenk, endlich leben zu dürfen. 

Manchmal kommt die Frage, ob ich es rückblickend früher hätte machen wollen. Ich sage dann immer nein. Ich hatte dann damals die Reife, ich hätte es sonst nicht überstanden, glaube ich. Ich weiß, dass viele Transgender sich das Leben nehmen. Es gibt wenig alte weil das ein verzweifeltes Leben ist. 

Ich habe aus meinem Leben ein schönes Leben gemacht. Nun muss ich dazu sagen, ich hatte das große Glück gehabt, dass ich in der Zeit, wo ich dagegen angekämpft habe, so viel gearbeitet habe. Ich habe neun Firmen gegründet und hab auch Geld verdient, sodass ich heute sehr bequem leben kann. Ich sehe viele Transgender in den Kliniken, die können sich keine Titten leisten. Einer habe ich mal welche geschenkt, die tat mir so leid.  Aber man kann nicht allen welche schenken. 


Du hast ja öfter bei null begonnen. Das erste Mal, als du von Ostberlin nach Westberlin geflohen bist und die hundert Mark, die es damals als Startkapital gegeben hat, bis auf eine einzige Mark für ein Hemd anlässlich eines Bewerbungsgesprächs ausgegeben hast. Ein anderes Mal, als du nach einem langen Aufenthalt in Rio de Janeiro nach Hamburg zurückgekommen bist. Das ist ja eine richtige Heldinnengeschichte, dass du von null beginnst und etwas aus dem Boden stampfst aus eigener Kraft. Welche Qualitäten haben dir das ermöglicht?

Es war hundertprozentig, weil ich niemanden hatte, das hat mir Kraft gegeben. Ich wusste, ich darf keine Fehler machen. Ich habe mich immer nur auf mich verlassen. Und dann wirst du auch zuversichtlicher, wenn du merkst, dass du aus deinem eigenen Antrieb Erfolg hast. Also, ich hatte nichts und das war die beste Ausgangsposition.

Immer wenn ich beim Boxen meinen Jungs die Geschichte von der einen Mark erzähle, die mir nach dem Hemdkauf noch übrig geblieben ist,  kriegen sie einen Euro von mir und dann sage ich ihnen: 

„Mach 'ne Million draus. Ich hab's geschafft.“ 

Man kann einen Euro haben, man schafft es. Es ist immer so 'ne Kombination aus Glück, Zufall und Schicksal, aus diesen drei Komponenten.

Dürfen wir ein bisschen über die Liebe sprechen? Was zeichnet Liebe aus oder wie können zwei Menschen Liebe geben?
Ich sag dir was. Ich bin zur Zeit in einer Beziehung und wir haben die schlechtesten Voraussetzungen die man nur haben kann, um glücklich zu sein: Altersunterschied und ganz anderer gesellschaftlicher Hintergrund. Es sind so viele Dinge, die auf uns einbrechen. Er ist zu jung, ich bin zu alt und ja auch eine Persönlichkeit. Also wir beide, rein äußerlich, dachten, dass das nicht geht. 

Das Schöne daran ist: Ich spüre die Liebe. Ich habe sie noch nie so gespürt. Ich spüre sie von ihm, jeden Tag. Und er spürt sie auch, das trägt uns so. Wir haben natürlich auch unsere Konflikte, aber ich habe zu mir gesagt: 

„Das ist das sein Kuchen, das ist mein Kuchen. Wir holen uns die Rosinen raus und backen einen neuen Kuchen.“  

Ich hoffe, dass es sehr lange geht. Und ich könnte mir im Moment gar nicht vorstellen ohne ihn zu leben. Er ist meine große Liebe, ein bezaubernder Mensch und wir sind jeden Tag zusammen. Wir haben unsere eigene Welt geschaffen, in der wir leben, ich sag mal, einen Elfenbeinturm. In dem  leben wir und wir sind glücklich. 

Danke für das tolle Interview Etchika! Welche Themen liegen dir noch am Herzen? 
Ja, eine Sache gibt es noch, die mir wichtig ist. Ich möchte mit achtzig Jahren gehen. Wie bei Harold and Maude, wo sie sich mit 80 umbringt und auch einen jungen Liebhaber hat. Bei mir ist es so: Ich freue mich auf den Tag, an dem ich die Welt verlasse. Ich habe so viel erlebt, ich bin so voll und dieses Vollsein ist auch anstrengend. 

Mein Freund weiß das und hat gesagt, er macht die Reise mit mir mit, diese zehn Jahre. Das ist schön. Auch alle meine Freunde wissen das. Sie sagen: „Naja, vielleicht willst du mit achtzig dann fünfundachtzig werden.“. Ich bin eine konsequente Person und ich bin nicht traurig darüber. Ich habe ein erfülltes Leben. Ich würde es nicht noch einmal haben wollen - never. Aber ich habe ein erfülltes Leben und ich würde meinem Leben gerne einen eigenen Abschluss geben. Ich muss mich wohlfühlen und ich muss glücklich sein. Und dann möchte ich selbstbestimmt gehen. 

Und weißte, es ist 'n riesen Geschenk, was ich mir gemacht habe, weil jeder Moment wird so kostbar. Vielleicht mag es Gott nicht, dass ich das mache, kann sein. Ich bin ja mit ihm verbunden. Wenn Gott will, versucht er mich auch mit vierundsiebzig oder neunundsiebzig zu holen. Vielleicht gibt er mir vorher selber einen kleinen Schubs. Na ja, mal sehen, was er macht. 

Meinst du, du hast ein inneres Gefühl dafür wann du gehst?
Die Idee mit achtzig zu gehen ist eigentlich in der Zeit entstanden, in der ich geswitcht bin. Damals hab ich gedacht:  „Es ist so anstrengend .“ Auch heute noch, aber ich hab so 'n tollen Freundeskreis. Auch mit meinem Freund, das muss ich immer wieder sagen, ist es so schön. Es ist richtig schön. Das ist auch witzig, vor zwei Jahren habe ich mir das gewünscht: 

„Lieber Gott, bitte, ich möchte nur einmal wirklich wahre Liebe erleben, nur einmal spüren.“ 

Ich hab die nie wirklich gespürt. Und dann hab ich meinen Freund  kennengelernt. Ich hatte ihn hierher eingeladen und dann mache ich die Tür auf, ich habe den Blick heute noch im Kopf: Ich war verliebt. 

Wow, was für ein schöner Abschluss. Danke Etchika für das tolle Gespräch!


Weiterführende Links:

https://etchika-pollex.com/
Instagram: etchikapollex
Dokumentation; Die unsichtbare Frau auf Vimeo

Buch: https://etchika-pollex.com/#book

 

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