Niavarani und ich in Iran

 


Vor einiger Zeit war ich in Isfahan. Im historischen Zentrum dieser wunderschönen Stadt liegt der riesige Meidan-e Emam, der Imam-Platz. Seinerzeit hatte sich ein Shah dort einen Palast errichten lassen und konnte von seiner Terrasse aus Polospiele beobachten, die dort unten stattfanden. Man kann sich also vorstellen: Der Meidan-e Imam ist wirklich groß. Rundherum befinden sich mehrere prächtige Moscheen, sowie ein unendlich langer Arkadengang, durch den jeder Tourist marschiert sein muss, wenn er in Isfahan gewesen sein will. Ein Souvenirgeschäft reiht sich dort ans andere, und zu meiner persönlichen Freude gilt das auch für die kleinen Konditoreien und Eisgeschäfte. Safraneis! Herrlich! Warum gibt es das noch nicht beim Tichy? Eine Runde um den Platz bedeuten für mich sechs Mal Eis, das heißt eineinhalb Kilo plus, aber das ist es wert!
Neben einem dieser Eisverkäufer befindet sich ein kleiner Laden, in dem ein fleißiger Handwerker tagaus, tagein phantasievolle Muster in kleine Kupferteller hämmert. Es dauert nicht lange und wir kommen ins Reden. Ich erzähle ihm, dass ich Schriftsteller aus Wien bin. Er ist sofort begeistert und zeigt mir ein Selfie mit einem gewissen Niavarani. Ob ich den kenne? Der stammt, sagt er, aus dem Iran, lebt seit langem in Wien, ist dort Kabarettist und hat ihn, den Handwerker, vor einigen Jahren hier am Platz besucht. So ist das Selfie entstanden, höre ich. Auch er würde ja lieber in Österreichs Hauptstadt leben und arbeiten, aber mit der Familie dorthin zu gelangen, das ist einfach zu teuer. Außerdem ist da die Sache mit dem Visum. Na ja. Er muss wohl noch bleiben. Andererseits, die Religionswächter, die Sittenpolizei und die Faraja, überhaupt das ganze Regime ...  Von denen hat er übrigens ebenfalls ein Foto. Er zieht den Teller zur Seite, auf den er gerade geklopft hat – darunter sehe ich zu meiner Überraschung ein Bild der iranischen Führer. Manchmal, so sagt er, wenn er so richtig ärgerlich ist über die Religionsdiktatoren, und wenn er merkt, dass das Hämmern aus Zorn so heftig wird, dass er sein Werkstück eher beschädigt als verziert, kann es schon sein, dass er den Teller zur Seite zieht und weiter hämmert. Heftig hämmert, immer heftiger. Und dabei träumt er von einem Staat, der seine Mitbürger in Freiheit und Ruhe leben lässt, ihnen weder Religion noch ein bestimmtes Verhalten aufzwingt, von einer Heimat, in der niemand in ständiger Angst ist, jederzeit ohne Grund, Anklage oder faires Gerichtsverfahren gefoltert oder umgebracht zu werden. Das hilft ihm dann kurzfristig. Viel lieber aber sieht er auf das Selfie an der Wand mit dem Niavarani. Und jetzt hängt daneben auch eines mit mir.                           

Von Gerhard Blaboll

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